Ich trinke seit Jahren Hafermilch. Nicht weil sie mir besser schmeckt als Kuhmilch – sondern weil ich glaubte, damit etwas fürs Klima zu tun. Dann habe ich mir die Zahlen genauer angeschaut. Das Ergebnis hat mich überrascht.
Die Rechnung scheint einfach: Hafermilch verursacht weniger CO2, also ist sie die bessere Wahl. Das stimmt auch – aber wie viel bringt der Wechsel wirklich? Und was steckt hinter dem grünen Image von Marken wie Oatly? Eine Spurensuche zwischen Ökobilanzen, Greenwashing-Vorwürfen und dem, was wirklich zählt.
Der Wechsel von Kuhmilch auf Hafermilch spart 3% des täglichen CO2-Fußabdrucks. Zwei Stunden Netflix verursachen mehr.
Quelle: Quarks, basierend auf Oxford-Studie (Poore/Nemecek, 2018)
Hafermilch verursacht 70-80% weniger CO2 als Kuhmilch
Hafermilch verursacht etwa 0,3 kg CO2-Äquivalente pro Liter – Kuhmilch dagegen 1,1 bis 1,3 kg in Deutschland. Das ist ein Unterschied von 70-80%, bestätigt durch das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). Der Grund: Bei Hafermilch entfällt die treibhausgasintensive Tierhaltung, und Hafer wächst regional in Europa mit kurzen Transportwegen.
Auch beim Wasserverbrauch gewinnt Hafermilch deutlich: Für einen Liter Kuhmilch werden 628 Liter Wasser verbraucht, für Hafermilch nur 48 Liter – das ist 13-mal weniger. (Quelle: Statista, ifeu-Institut)
CO2-Unterschied pro Liter
~1 kg CO2
spart Hafermilch gegenüber Kuhmilch (pro Liter)
Der Wechsel auf Hafermilch spart nur 3% des täglichen CO2-Fußabdrucks
Der Wechsel von Kuhmilch auf Hafermilch spart etwa 0,64 kg CO2 pro Tag. Eine Person in Deutschland verursacht im Schnitt 7,9 Tonnen CO2 pro Jahr – das sind täglich etwa 21,6 kg. Die Hafermilch-Ersparnis entspricht damit nur rund 3% des täglichen Fußabdrucks. (Quelle: Quarks, basierend auf der Oxford-Studie von Poore & Nemecek 2018)
Zum Vergleich: Zwei Stunden Serien-Streaming auf Netflix verursachen bis zu 0,8 kg CO2 – mehr als die gesamte Tagesersparnis durch Hafermilch. Das relativiert die Klimawirkung, ohne sie zu entwerten.
💭 Was viele denken
„Mit Hafermilch rette ich das Klima“
📊 Was Studien zeigen
Der Wechsel macht 3% des täglichen Fußabdrucks
Oatly zahlte 9,25 Millionen Dollar wegen Greenwashing-Vorwürfen
Oatly hat sich 2024 in einem Rechtsstreit mit US-Investoren auf eine Zahlung von 9,25 Millionen Dollar geeinigt. Die Kläger warfen dem schwedischen Hafermilch-Hersteller vor, Umweltangaben geschönt und die Produktnachfrage übertrieben dargestellt zu haben. (Quelle: ECOreporter, 2024)
Oatly-Investor Blackstone in Kritik
Der Oatly-Investor Blackstone steht in Verbindung mit Firmen, die an der Amazonas-Abholzung beteiligt sein sollen. Blackstone-CEO Stephen Schwarzman spendete zudem 3 Millionen Dollar für den Wahlkampf von Donald Trump. (Quelle: The Intercept, Business Insider)
Seit dem Börsengang 2021 hat die Oatly-Aktie rund 94 Prozent an Wert verloren. Die Greenwashing-Vorwürfe hat das Unternehmen stets zurückgewiesen. Die Hafermilch selbst ist davon nicht betroffen – das Produkt bleibt eine gute Alternative. Die Frage ist nur, ob man für das Marketing-Premium zahlen muss.
Käse und Butter verursachen mehr CO2 als Trinkmilch
Die reine Trinkmilch zu ersetzen ist der kleinste Schritt beim Klimaschutz durch Ernährung. Wir konsumieren viel mehr Milch in Form von Joghurt, Käse, Sahne und Butter – und hier gilt: Je höher der Fettgehalt, desto mehr CO2. (Quelle: Verbraucherzentrale NRW)
Ein Kilo Butter verursacht etwa 24 kg CO2-Äquivalente – das ist mehr als ein Kilo Schweinefleisch und fast 20-mal so viel wie ein Liter Kuhmilch. Hartkäse liegt bei etwa 8 kg CO2 pro Kilo. Wer wirklich etwas bewegen will, sollte nicht nur die Milch im Kaffee tauschen.
📊 CO2-Fußabdruck von Milchprodukten im Vergleich
0,3 kg CO2/Liter
1,3 kg CO2/Liter
~8 kg CO2/kg
~24 kg CO2/kg
Quellen: ifeu-Institut, WWF Schweiz, Umweltbundesamt
Bio-Hafermilch vom Discounter schneidet bei Öko-Test genauso gut ab wie Oatly
27 von 32 getesteten Hafermilch-Produkten erhielten bei Öko-Test (2023) die Note „sehr gut“. Die billigsten Bio-Drinks für 95 Cent vom Discounter schnitten genauso gut ab wie Oatly für 2,50 Euro. In keinem Produkt wurden Glyphosat oder bedenkliche Pestizide nachgewiesen.
Für einen Liter Kuhmilch werden 628 Liter Wasser verbraucht. Für Hafermilch: 48 Liter.
Quelle: Statista, ifeu-Institut
✅ Vorteile von Hafermilch
- ● 70-80% weniger CO2 als Kuhmilch
- ● Nur 48 Liter Wasser/Liter (vs. 628 bei Kuhmilch)
- ● Hafer wächst regional in Deutschland
- ● Kein Tierleid
⚠️ Einschränkungen
- ● Nur 3% des täglichen CO2 eingespart
- ● Weniger Protein und Calcium als Kuhmilch
- ● Oft teurer (außer Eigenmarken)
- ● Ersetzt nur Trinkmilch, nicht Käse/Butter
Fazit: Hafermilch ist ein guter Anfang, aber kein Klimaretter
Hafermilch ist keine Mogelpackung – aber auch kein Klimaretter. Sie ist ein kleiner, sinnvoller Baustein in einer größeren Rechnung. Wer glaubt, mit dem Wechsel sei die Klimabilanz im Griff, macht es sich zu einfach.
Die wirklichen Stellschrauben liegen woanders: Wie oft fliege ich? Wie heize ich? Wie viel Käse und Butter esse ich? Das sind die Fragen, die mehr ins Gewicht fallen als die Milch im Kaffee.
Empfehlung: Bio-Hafermilch aus deutschem Anbau
Bio-Hafermilch aus deutschem Anbau kaufen – am besten die günstige Eigenmarke statt Oatly. Den Preisunterschied in etwas investieren, das mehr bringt: Ökostrom, bessere Dämmung, ein Lastenrad. Und beim nächsten Käsekauf mal überlegen, ob es wirklich 200 Gramm sein müssen.
Werde ich weiter Hafermilch trinken? Ja. Aber ich mache mir keine Illusionen mehr, dass ich damit die Welt rette. Es ist ein Anfang. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
FAQ
Quellen und Studien
Wissenschaftliche Quellen
ifeu-Institut – Ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln
Poore & Nemecek (2018) – Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, Science
Offizielle Quellen
Umweltbundesamt – Klimaneutral leben im Alltag
Bundeszentrum für Ernährung – Kuhmilch vs. Haferdrink Klimabilanz
Medienberichte und Tests
ECOreporter – Oatly Greenwashing-Vergleich 9,25 Mio. Dollar (2024)
Öko-Test – Hafermilch-Test 2023: 27 von 32 Produkten „sehr gut“
Quarks – CO2-Ersparnis durch Hafermilch berechnet (3% des Tagesfußabdrucks)






