Die Produktion, der Transport und die Verarbeitung von Lebensmitteln verursachen erhebliche Mengen an Treibhausgasen. In Deutschland entfallen rund 20 Prozent der persönlichen CO2-Emissionen auf die Ernährung – das entspricht etwa 2,5 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Person und Jahr. Der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln variiert dabei enorm: Während ein Kilogramm Karotten nur 0,1 Kilogramm CO2 verursacht, schlägt Rindfleisch mit bis zu 13 Kilogramm CO2 zu Buche. Wer die Klimabilanz seiner Lebensmittel kennt, kann durch bewusste Entscheidungen einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
- ✓Der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln umfasst alle Treibhausgasemissionen von der Produktion bis zur Entsorgung
- ✓Tierische Lebensmittel verursachen durchschnittlich 10- bis 50-mal mehr CO2-Emissionen als pflanzliche Alternativen
- ✓Eine vegane Ernährung spart im Vergleich zu fleischbasierter Kost etwa 820 Kilogramm CO2 pro Jahr ein
- ✓Transport, Verpackung und Saisonalität beeinflussen die Klimabilanz erheblich – regionale und saisonale Produkte schneiden deutlich besser ab
- ✓Mit gezielten Ernährungsentscheidungen lässt sich der persönliche CO2-Fußabdruck im Bereich Ernährung um bis zu 50 Prozent reduzieren
Was ist der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln?
Der CO2-Fußabdruck, auch als Klimabilanz oder Carbon Footprint bezeichnet, erfasst alle Treibhausgasemissionen, die während des gesamten Lebenszyklus eines Lebensmittels entstehen. Diese Betrachtung beginnt beim Anbau oder der Tierhaltung und endet bei der Entsorgung von Verpackungen und Lebensmittelresten. Zur vollständigen Erfassung gehören die landwirtschaftliche Produktion, die Verarbeitung, der Transport, die Lagerung, die Verpackung sowie die Zubereitung im Haushalt.
CO2-Äquivalente als Vergleichsgrundlage
Neben Kohlendioxid (CO2) entstehen in der Lebensmittelproduktion weitere klimawirksame Gase wie Methan und Lachgas. Methan entsteht beispielsweise bei der Verdauung von Wiederkäuern und in Reisfeldern, während Lachgas hauptsächlich aus landwirtschaftlich genutzten Böden entweicht. Um verschiedene Treibhausgase vergleichbar zu machen, werden sie in CO2-Äquivalente (CO2-eq) umgerechnet. Methan ist dabei 25-mal klimawirksamer als CO2, Lachgas sogar 298-mal.
Die Angabe des CO2-Fußabdrucks erfolgt üblicherweise in Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Lebensmittel. Diese standardisierte Darstellung ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener Produkte und Ernährungsweisen.
Systemgrenzen in der Berechnung
Ein zentrales Problem bei der Bewertung von CO2-Fußabdrücken sind unterschiedliche Systemgrenzen. Manche Berechnungen enden am „farm gate“, also am Hoftor des landwirtschaftlichen Betriebs, und berücksichtigen Transport, Verpackung oder Kühlung nicht. Andere Studien beziehen die gesamte Wertschöpfungskette bis zum fertigen Gericht auf dem Teller ein. Das ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg) betont in seiner umfassenden Studie zu ökologischen Fußabdrücken von Lebensmitteln, dass es nicht den einen CO2-Fußabdruck eines Lebensmittels gibt. Die Klimabilanz hängt von zahlreichen Faktoren ab: konventioneller oder ökologischer Landbau, Art der Verpackung, Transportweg, Saisonalität und Zubereitung beeinflussen das Ergebnis erheblich.
CO2-Fußabdruck Lebensmittel Tabelle: Die größten Klimasünder im Vergleich
Die Bandbreite der CO2-Emissionen verschiedener Lebensmittel ist enorm. Während pflanzliche Produkte meist einen niedrigen ökologischen Fußabdruck aufweisen, verursachen tierische Lebensmittel deutlich höhere Emissionen. Die folgende Übersicht basiert auf Daten des ifeu und zeigt die durchschnittlichen CO2-Werte für in Deutschland gekaufte Lebensmittel.
Diese Zahlen verdeutlichen einen klaren Trend: Tierische Lebensmittel, insbesondere Produkte von Wiederkäuern, haben einen massiv höheren CO2-Ausstoß als pflanzliche Alternativen. Ein Kilogramm Rindfleisch verursacht etwa 130-mal mehr CO2-Emissionen als die gleiche Menge Karotten.
Butter als Klimakiller Nummer eins
Überraschend führt Butter die Liste der klimaschädlichsten Lebensmittel an – noch vor Rindfleisch. Für ein Kilogramm Butter werden etwa 18 Liter Milch benötigt, was eine entsprechend große Anzahl an Milchkühen erfordert. Diese stoßen während ihrer Verdauung Methan aus, das als Treibhausgas 25-mal wirksamer ist als CO2. Die Bio-Butter schneidet mit 11,5 Kilogramm CO2-Äquivalenten sogar noch schlechter ab als konventionelle Butter, da Bio-Kühe länger leben und dadurch über ihre Lebenszeit mehr Methan produzieren.
Fleisch CO2 Bilanz im Detail
Bei Fleischprodukten zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Tierarten. Rindfleisch hat mit 13 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Kilogramm die schlechteste Klimabilanz unter den gängigen Fleischsorten. Die hohen Emissionen resultieren aus mehreren Faktoren: der Methanausstoß der Wiederkäuer, der hohe Flächenverbrauch für Weideland und Futteranbau sowie der intensive Einsatz von Düngemitteln. Schweine- und Geflügelfleisch schneiden mit 4,6 bzw. 3,5 Kilogramm CO2-Äquivalenten deutlich besser ab, bleiben aber weit über den Werten pflanzlicher Proteinquellen.

Einflussfaktoren auf die CO2-Bilanz von Lebensmitteln
Der CO2-Fußabdruck eines Lebensmittels wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Die ifeu-Studie zeigt, dass häufig nicht das Produkt selbst, sondern dessen Bereitstellung die entscheidende Rolle spielt.
Anbaumethode: Bio versus konventionell
Ökologisch erzeugte Lebensmittel verursachen durchschnittlich 5 bis 25 Prozent weniger Emissionen als konventionelle Produkte. Der Hauptgrund liegt im Verzicht auf synthetische Düngemittel und importierte Futtermittel aus Südamerika. Bio-Böden binden zudem mehr CO2, da sie mit mehr Humus bedeckt werden. Bei tierischen Produkten kehrt sich dieser Vorteil allerdings teilweise um: Bio-Tiere leben länger und produzieren dadurch über ihre Lebenszeit mehr Methan, was den CO2-Vorteil reduziert oder sogar ins Gegenteil verkehrt.
Transport und Saisonalität
Der Transportweg beeinflusst die Klimabilanz erheblich. Flugware weist einen dramatisch höheren CO2-Fußabdruck auf als Produkte, die per Schiff oder Lkw transportiert werden. Eine Flugananas verursacht mehr als 25-mal so viel CO2 wie eine per Schiff importierte Ananas. Regionale Produkte haben generell einen geringeren Transport-Fußabdruck, wobei die Saisonalität entscheidend ist. Erdbeeren aus regionalem Freilandanbau im Mai verursachen 0,3 Kilogramm CO2, während Winter-Erdbeeren aus beheizten Gewächshäusern mit 3 Kilogramm CO2 einen zehnmal höheren Fußabdruck aufweisen.
Verpackung als unterschätzter Faktor
Die Verpackung kann einen erheblichen Anteil am gesamten CO2-Fußabdruck haben. Einwegglas und Metalldosen schneiden besonders schlecht ab. Die ifeu-Studie zeigt, dass die Verpackung in vielen Fällen klimaschädlicher ist als das eigentliche Lebensmittel. Dies gilt auch für Getränke wie Wein und Bier. Mehrwegverpackungen und unverpackte Produkte sind aus Klimasicht deutlich vorzuziehen. Dosenpfirsiche haben beispielsweise mit 1,6 Kilogramm CO2 einen achtmal höheren Fußabdruck als frische Pfirsiche (0,2 kg CO2).
Verarbeitungsgrad und Lagerung
Tiefkühlprodukte benötigen energieintensive Kühlketten und weisen daher höhere CO2-Werte auf als frische Waren. Rosenkohl frisch hat einen CO2-Fußabdruck von 0,4 Kilogramm, tiefgefroren steigt dieser auf 0,7 Kilogramm. Auch die Lagerung mit Heizung oder Kühlung erhöht die Klimabilanz erheblich. Treibhausgemüse im Winter benötigt bis zu 30-mal mehr Energie als Freilandgemüse und verursacht entsprechend höhere Treibhausgasemissionen.
Ernährungsweisen im Klimavergleich
Die Art der Ernährung hat einen massiven Einfluss auf den persönlichen CO2-Fußabdruck. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat verschiedene Ernährungsweisen hinsichtlich ihrer Klimawirkung untersucht und kommt zu eindeutigen Ergebnissen.
Vegane Ernährung: Die klimafreundlichste Option
Eine rein pflanzliche Ernährung verursacht mit durchschnittlich 940 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Jahr die geringsten Treibhausgasemissionen. Veganerinnen und Veganer verzichten komplett auf tierische Produkte und sparen dadurch erhebliche Mengen an CO2 ein. Die niedrigen Emissionswerte resultieren aus dem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel, die grundsätzlich eine deutlich bessere Klimabilanz aufweisen als tierische Produkte.
Vegetarische Ernährung: Der goldene Mittelweg
Vegetarische Ernährung kommt auf etwa 1.160 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Jahr. Der etwas höhere Wert im Vergleich zur veganen Ernährung erklärt sich durch den Konsum von Milchprodukten und Eiern. Dennoch liegt die vegetarische Lebensweise deutlich unter der durchschnittlichen Mischkost und bietet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Klimaschutz und kulinarischer Vielfalt.
Mischkost mit Fleisch: Die klimaschädlichste Variante
Menschen, die regelmäßig Fleisch konsumieren, verursachen durchschnittlich 1.760 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Jahr durch ihre Ernährung. Dies entspricht fast dem Doppelten einer veganen Ernährung. Die hohen Emissionen gehen zu 69 Prozent auf das Konto tierischer Lebensmittel. Eine Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung könnte die ernährungsbedingten Emissionen in Deutschland um fast 50 Prozent reduzieren.

Klimafreundliche Ernährung: Die besten Lebensmittel für die Umwelt
Wer seine Ernährung klimafreundlich gestalten möchte, sollte den Fokus auf pflanzliche, regionale und saisonale Produkte legen. Die ifeu-Studie identifiziert mehrere Lebensmittelgruppen mit besonders niedrigem CO2-Fußabdruck.
Gemüse: Die Klimachampions
Frisches, unverpacktes Gemüse aus regionalem Freilandanbau weist die niedrigsten CO2-Werte überhaupt auf. Karotten und Weißkohl führen mit jeweils 0,1 Kilogramm CO2 pro Kilogramm die Liste der klimafreundlichsten Lebensmittel an. Auch andere heimische Gemüsesorten wie Kartoffeln (0,2 kg), Auberginen (0,2 kg), Spinat, Brokkoli, Zucchini und Kürbis (alle unter 0,3 kg CO2) schneiden hervorragend ab. Blattsalate und Rucola ergänzen das klimafreundliche Gemüsesortiment.

Regionales und saisonales Obst
Bei Obst zeigt sich ein ähnliches Bild: Äpfel, Birnen und Erdbeeren aus regionalem Anbau zur richtigen Saison haben einen CO2-Fußabdruck von nur 0,3 Kilogramm. Pfirsiche liegen bei 0,2 Kilogramm. Sogar Bananen schneiden mit 0,6 Kilogramm trotz ihres weiten Transportwegs überraschend gut ab, da sie per Schiff transportiert werden und keine energieintensive Kühlung benötigen. Kritisch wird es bei Flugobst und Gewächshausware außerhalb der Saison: Winter-Erdbeeren verursachen das Zehnfache der Emissionen von saisonalen Erdbeeren.
Pflanzliche Proteinquellen
Hülsenfrüchte, Nüsse und Sojaprodukte bieten klimafreundliche Alternativen zu Fleisch. Getrocknete Linsen kommen auf 1,3 Kilogramm CO2, Erdnüsse auf 0,8 Kilogramm. Veggie-Burger auf Soja- oder Erbsenbasis verursachen mit etwa 1,5 Kilogramm CO2 nur ein Sechstel der Emissionen von Rinderbuletten (9,0 kg CO2). Auch Getreideprodukte wie Brot (0,6 kg), Nudeln und Bulgur zählen zu den klimafreundlichen Optionen.
Pflanzenmilch statt Kuhmilch
Pflanzliche Milchalternativen aus Hafer, Dinkel oder Mandeln verursachen mit 0,3 Kilogramm CO2 nur ein Fünftel der Emissionen von Kuhmilch (1,4 kg CO2). Bei Mandelmilch ist allerdings der hohe Wasserverbrauch zu beachten, da Mandeln häufig in trockenen Regionen wie Kalifornien angebaut werden. Hafermilch aus regionalem Anbau stellt hier die umweltfreundlichste Alternative dar.
Weitere ökologische Fußabdrücke von Lebensmitteln
Neben dem CO2-Fußabdruck spielen weitere Umweltauswirkungen eine wichtige Rolle, die bei einer ausschließlichen Fokussierung auf Treibhausgase übersehen werden. Die ifeu-Studie hat für ausgewählte Lebensmittel auch den Wasser-, Flächen- und Phosphatverbrauch sowie den Energiebedarf ermittelt.
Wasserverbrauch: Das Beispiel Avocado
Avocados gelten als besonders wasserhungrig. Pro Kilogramm Avocado werden etwa 540 Liter Wasser benötigt, meist in ohnehin trockenen Anbauregionen. Der CO2-Fußabdruck von Avocados liegt zwar nur bei etwa 0,4 bis 0,6 Kilogramm, der hohe Wasserverbrauch macht sie dennoch zu einem problematischen Lebensmittel aus ökologischer Sicht. Auch Mandeln und Kakao haben einen sehr hohen Wasserfußabdruck.
Flächenverbrauch und Landnutzungsänderungen
Für die Ernährung in Deutschland werden weltweit enorme Flächen beansprucht, insbesondere für den Anbau von Futtermitteln. Allein für Soja benötigt Deutschland eine Fläche von 2,84 Millionen Hektar, davon 96 Prozent für die Produktion tierischer Lebensmittel. Diese Flächen befinden sich überwiegend in den USA und Brasilien, wo für Sojaanbau Regenwälder abgeholzt werden. Nur 4 Prozent des importierten Sojas dient der direkten menschlichen Ernährung in Form von Tofu oder Sojamilch.
Landnutzungsänderungen verursachen zusätzliche Emissionen von etwa 492 Kilogramm CO2-Äquivalenten pro Person und Jahr in Deutschland. Die Abholzung von Regenwäldern und die Umwandlung von Grasland in Ackerflächen setzen große Mengen gespeicherten Kohlenstoffs frei und vernichten wichtige CO2-Senken.
Phosphat als knappe Ressource
Phosphat ist eine endliche Ressource, die hauptsächlich als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Der Phosphatverbrauch ist vor allem bei intensiv gedüngten Kulturen hoch. Da Phosphat überwiegend außerhalb Deutschlands abgebaut wird und die Vorräte begrenzt sind, spielt auch dieser Fußabdruck eine wichtige Rolle für die langfristige Nachhaltigkeit der Ernährung.
Globale Perspektive: Ernährung und Klimakrise
Die Auswirkungen des globalen Ernährungssystems auf das Klima sind enorm. Auf das weltweite Ernährungssystem sind laut WWF bis zu 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen zurückzuführen – mehr als ein Drittel aller menschengemachten Emissionen.
Direkte und indirekte Emissionen
Direkte Emissionen tragen etwa 12 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Dazu gehören Methan aus Reisfeldern und von Wiederkäuern sowie Lachgas aus landwirtschaftlich genutzten Böden. Weitere 12 Prozent entstehen durch Landnutzungsänderungen, insbesondere die Abholzung von Regenwäldern und die Umwandlung von Savannen und Grasland in landwirtschaftliche Flächen. Die verbleibenden 13 Prozent entfallen auf Weiterverarbeitung, Transport und Kühlung von Lebensmitteln.
Deutschlands Beitrag zur globalen Ernährungskrise
Deutschland trägt überproportional zur Klimabelastung durch Ernährung bei. Von den durchschnittlich 11 Tonnen CO2-Äquivalenten, die jedem Menschen in Deutschland pro Kopf und Jahr zugerechnet werden, entfallen fast ein Viertel – etwa 2,5 Tonnen – auf die Ernährungsweise. Damit übertrifft Deutschland sowohl den weltweiten Durchschnitt (7 Tonnen) als auch den EU-Durchschnitt (8,8 Tonnen) deutlich.
Der hohe Fleischkonsum schlägt dabei besonders zu Buche. Der Land-, Wasser- und Energieverbrauch sowie der CO2-Fußabdruck von Fleisch liegen um ein Vielfaches über pflanzlichen Alternativen. Eine Reduktion des Fleischkonsums könnte die ernährungsbedingten Emissionen massiv senken und gleichzeitig Landnutzungsänderungen reduzieren.
Praktische Tipps für eine klimafreundliche Ernährung im Alltag
Die Umstellung auf eine klimafreundlichere Ernährung muss nicht radikal erfolgen. Schon kleine Änderungen im Einkaufs- und Essverhalten können erhebliche CO2-Einsparungen bewirken.
Regional und saisonal einkaufen
Der Verzicht auf Flugware und die Orientierung an saisonalen Produkten sind die einfachsten Schritte zu einer besseren Klimabilanz. Ein Saisonkalender hilft dabei, das richtige Obst und Gemüse zur richtigen Zeit zu kaufen. Erdbeeren im Mai statt im Januar, Kürbis im Herbst statt im Frühjahr – diese einfachen Entscheidungen reduzieren den CO2-Fußabdruck erheblich.
Fleischkonsum reduzieren
Eine Reduktion des Fleischkonsums auf ein bis zwei Mal pro Woche kann die ernährungsbedingten Emissionen um 30 bis 40 Prozent senken. Wer komplett auf Fleisch verzichtet, spart im Vergleich zum durchschnittlichen Fleischesser etwa 600 Kilogramm CO2 pro Jahr. Dabei muss es nicht gleich die vegane Vollumstellung sein – schon der Ersatz von Rindfleisch durch Hähnchen oder pflanzliche Alternativen bringt erhebliche Einsparungen.
Verpackung vermeiden
Unverpackte Lebensmittel oder solche in Mehrwegverpackungen haben eine deutlich bessere Klimabilanz als Produkte in Einwegglas oder Metalldosen. Wochenmärkte, Unverpackt-Läden und die zunehmenden unverpackten Angebote in Supermärkten bieten gute Möglichkeiten, Verpackungsmüll und die damit verbundenen CO2-Emissionen zu reduzieren.
Auf Bio-Siegel achten
Ökologisch erzeugte Lebensmittel verursachen durchschnittlich 5 bis 25 Prozent weniger Emissionen als konventionelle Produkte. Besonders bei Obst, Gemüse und Getreideprodukten lohnt sich der Griff zu Bio-Waren. Bei tierischen Produkten ist der Vorteil geringer, aber Bio-Standards beinhalten oft auch bessere Tierhaltung und Futtermittelherkunft.
Lebensmittelverschwendung vermeiden
Etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wird verschwendet. Wer Lebensmittel wegwirft, verschwendet auch alle CO2-Emissionen, die mit deren Produktion verbunden waren. Eine durchdachte Einkaufsplanung, richtige Lagerung und kreative Resteverwertung helfen, Lebensmittelabfälle zu reduzieren und damit auch CO2 zu sparen.
Bewusste Zubereitung
Auch die Zubereitung zu Hause verursacht Emissionen. Etwa 55 Prozent der ernährungsbedingten Treibhausgase entstehen laut BMU nicht bei der Erzeugung, sondern bei Lagerung, Einkaufsfahrten und Zubereitung. Energieeffiziente Küchengeräte, das Kochen mit Deckel und die Nutzung von Restwärme senken den Energiebedarf. Auch der Verzicht auf den Backofen zugunsten von Herdplatte oder Mikrowelle spart Energie und CO2.
Das 2-Grad-Ziel und persönliches CO2-Budget
Die internationale Staatengemeinschaft hat sich auf das 2-Grad-Ziel geeinigt: Die weltweite Durchschnittstemperatur soll im Vergleich zur vorindustriellen Zeit maximal um zwei Grad steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die CO2-Emissionen der Industrieländer bis 2050 um 80 bis 95 Prozent sinken (gegenüber 1990).
Was bedeuten 2 Tonnen CO2 im Alltag?
Experten gehen davon aus, dass jedem Menschen weltweit ein jährliches CO2-Budget von etwa 2 Tonnen zusteht, um die Klimaziele zu erreichen. In Deutschland liegen die durchschnittlichen Pro-Kopf-Emissionen jedoch bei 11 Tonnen – mehr als das Fünffache des verträglichen Werts. Allein die Ernährung verbraucht mit 2,5 Tonnen CO2 schon das gesamte verfügbare Budget.
Diese Zahlen verdeutlichen, wie schwierig es wird, den CO2-Fußabdruck ausreichend zu senken. Im Jahr 2015 waren die deutschen Emissionen erst um 28 Prozent gegenüber 1990 gesunken – weit entfernt von den notwendigen 80 bis 95 Prozent bis 2050.
Potenzial der Ernährungsumstellung
Eine Umstellung von durchschnittlicher Mischkost auf vegetarische Ernährung spart 600 Kilogramm CO2 pro Jahr, eine vegane Ernährung sogar 820 Kilogramm. Dies entspricht etwa 5 bis 7 Prozent der gesamten Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland. Kombiniert mit Reduktionen in anderen Bereichen wie Mobilität, Wohnen und Konsum kann die Ernährungsumstellung einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten.
Herausforderungen und Grenzen der CO2-Bilanzierung
Bei aller Nützlichkeit des CO2-Fußabdrucks als Orientierung gibt es auch Einschränkungen und Herausforderungen bei der Bilanzierung von Lebensmitteln.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden
Verschiedene Studien kommen zu teilweise deutlich unterschiedlichen Ergebnissen für denselben Lebensmittel-CO2-Fußabdruck. Diese Abweichungen resultieren aus unterschiedlichen Systemgrenzen, Annahmen und Berechnungsmethoden. Manche Studien beziehen Landnutzungsänderungen ein, andere nicht. Einige betrachten nur inländische Produktion, andere den Import-Mix. Diese Unterschiede erschweren den direkten Vergleich verschiedener Quellen.
Regionale Unterschiede
Globale Durchschnittswerte sagen wenig über spezifische Produkte aus. Ein Apfel aus Neuseeland hat einen völlig anderen CO2-Fußabdruck als ein regionaler Apfel. Saisonalität, Anbaumethode und Transportweg beeinflussen das Ergebnis erheblich. Die ifeu-Studie zeigt, dass für Deutschland gekaufte Lebensmittel deutlich differenzierter betrachtet werden müssen als internationale Durchschnittswerte vermuten lassen.
Nährwert und Bezugsgrößen
Der CO2-Fußabdruck pro Kilogramm Lebensmittel sagt nichts über den Nährwert aus. Ein Kilogramm Salat hat zwar einen niedrigen CO2-Fußabdruck, liefert aber kaum Kalorien oder Protein. Für einen fairen Vergleich müsste der CO2-Fußabdruck pro Kalorie, pro Gramm Protein oder pro Nährstoffeinheit betrachtet werden. Dies würde manche Lebensmittel anders bewerten und die Ernährungsplanung komplexer gestalten.
Fazit: Jeder Bissen zählt
Der CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln variiert erheblich – von 0,1 Kilogramm für Karotten bis zu 13 Kilogramm für Rindfleisch. Diese enormen Unterschiede bieten gleichzeitig eine große Chance: Durch bewusste Ernährungsentscheidungen lässt sich der persönliche Klima-Fußabdruck deutlich reduzieren. Eine Umstellung auf überwiegend pflanzliche, regionale und saisonale Kost kann die ernährungsbedingten Emissionen um bis zu 50 Prozent senken.
Dabei geht es nicht um Perfektion oder radikale Verzichtsforderungen. Schon die Reduktion des Fleischkonsums, der Verzicht auf Flugware und die Bevorzugung unverpackter Produkte bewirken erhebliche CO2-Einsparungen. Wer die Klimabilanz seiner Lebensmittel kennt und bei täglichen Entscheidungen berücksichtigt, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – dreimal täglich, bei jeder Mahlzeit.
Die Ernährungswende ist eine der wirksamsten Maßnahmen gegen den Klimawandel, die jeder Einzelne direkt beeinflussen kann. Angesichts der Tatsache, dass 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen auf das Ernährungssystem zurückgehen, wird deutlich: Klimaschutz fängt auf dem Teller an.





