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Bio-Siegel im Vergleich: Bedeutung und Unterschiede der wichtigsten Zertifizierungen

Zuletzt bearbeitet:

21. November 2025
Illustration im Querformat mit vier Bio-Siegeln (EU-Bio, deutsches Bio-Siegel, Naturland, Bioland) in einer Reihe über einer Auswahl an frischem Gemüse wie Karotten, Tomate, Kohl, Kartoffel und Rote Bete; weiche Pastellfarben, natürlicher Look, minimalistische Komposition ohne Text.

Inhaltsverzeichnis

Der Dschungel der Bio-Siegel im Supermarkt verwirrt viele Verbraucher. Während auf einem Joghurt das grüne EU-Bio-Logo prangt, findet sich auf dem Nachbarprodukt das Demeter-Siegel. Doch was bedeuten diese verschiedenen Zertifizierungen wirklich? Die Unterschiede zwischen den einzelnen Biosiegel sind teilweise erheblich – sowohl bei den Anforderungen an Tierhaltung und Zusatzstoffe als auch bei den ökologischen Standards. Dieser umfassende Ratgeber bringt Licht ins Dunkel und zeigt, welches Bio-Siegel welche Qualitätsstandards garantiert.

In Deutschland existieren neben den staatlichen Bio-Zeichen zahlreiche Verbands-Siegel mit unterschiedlich strengen Richtlinien. Während die EG-Öko-Verordnung europaweit Mindeststandards definiert, gehen Anbauverbände wie Demeter, Bioland oder Naturland deutlich darüber hinaus. Diese Unterschiede wirken sich konkret auf die Produktqualität, die Umweltbilanz und das Tierwohl aus. Verbraucher, die bewusst nachhaltige Lebensmittel kaufen möchten, sollten die Bedeutung der verschiedenen Bio-Label kennen.

TL;DR – Das Wichtigste in Kürze

  • Bio-Siegel unterscheiden sich erheblich: EU-Bio stellt Mindeststandards dar, Demeter, Bioland und Naturland gehen deutlich darüber hinaus
  • Demeter ist am strengsten mit nur 21 erlaubten Zusatzstoffen (EU-Bio: 53), niedrigeren Tierbesatzdichten und 100% Bio-Anteil
  • Bioland und Naturland verlangen komplette Betriebsumstellung, 100% Bio-Zutaten und maximal 22-23 Zusatzstoffe
  • Regionalsiegel wie Biokreis und Bayerisches Bio-Siegel vereinen Bio-Qualität mit garantiert kurzen Transportwegen
  • Für höchste Qualität bei Fleisch, Milch und Eiern lohnt sich Verbands-Bio – bei verarbeiteten Produkten ist EU-Bio eine solide Basis

Was ist ein Bio-Siegel und warum gibt es so viele verschiedene?

Ein Bio-Siegel kennzeichnet Produkte aus ökologischem Landbau, die nach definierten Standards produziert wurden. Diese Güte- und Prüfsiegel garantieren Verbrauchern, dass die gekennzeichneten Erzeugnisse bestimmte ökologische Kriterien erfüllen. Die Kontrolle erfolgt durch unabhängige Zertifizierungsstellen, die regelmäßige Prüfungen und Stichproben durchführen.

Die Vielfalt der Bio-Zeichen erklärt sich durch die unterschiedlichen Ansprüche an Bio-Qualität. Während die EU mit der EG-Öko-Verordnung europaweite Mindeststandards festlegt, haben sich in Deutschland und anderen Ländern Bio-Anbauverbände etabliert, die weitergehende Anforderungen stellen. Diese Verbände existierten teilweise schon vor den staatlichen Regelungen und haben über Jahrzehnte eigene Qualitätsphilosophien entwickelt.

Der Begriff Bio ist durch die EG-Öko-Verordnung EU-weit geschützt. Nur zertifizierte Produkte dürfen Bezeichnungen wie „bio“, „öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau“ tragen.

Jedes Bio-Produkt trägt eine Codenummer der zuständigen Kontrollstelle, zum Beispiel DE-ÖKO-039 für die Kontrollstelle GfRS. Diese Nummer ermöglicht die Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Bio-Zertifizierung. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) koordiniert das System in Deutschland.

Die verschiedenen Bio-Label unterscheiden sich erheblich in ihren Anforderungen. Während manche lediglich die EU-Mindeststandards erfüllen, gehen andere deutlich darüber hinaus und berücksichtigen zusätzlich Aspekte wie Regionalität, soziale Gerechtigkeit oder anthroposophische Prinzipien. Diese Abstufung ermöglicht Verbrauchern, je nach persönlichen Prioritäten und Budget zwischen verschiedenen Bio-Qualitätsstufen zu wählen.

Das EU-Bio-Siegel: Die Basis für alle Bio-Produkte

Das EU-Bio-Logo mit den zwölf weißen Sternen in Blattform auf grünem Grund ist seit Juli 2012 verpflichtend für alle verpackten Bio-Lebensmittel in der Europäischen Union. Dieses Biosiegel kennzeichnet Produkte, die nach der EG-Öko-Verordnung hergestellt wurden und somit die EU-weiten Mindeststandards für ökologische Landwirtschaft erfüllen.

Das Bild zeigt eine idyllische Landschaft mit sanften Hügeln, Feldern und einem Traktor. Im Vordergrund sind verschiedene Pflanzen und Blumen abgebildet, die die ländliche Idylle unterstreichen.

Die Kernkriterien des EU-Bio-Siegels

Die Kernkriterien des EU-Bio-Siegels umfassen mehrere wesentliche Bereiche. Mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe landwirtschaftlichen Ursprungs müssen aus ökologischem Anbau stammen. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und mineralischer Stickstoffdünger ist verboten. Gentechnisch veränderte Organismen dürfen weder im Anbau noch in der Verarbeitung verwendet werden.

In der Tierhaltung schreibt die EU-Öko-Verordnung artgerechte Bedingungen vor. Tiere benötigen Zugang zu Freilandflächen und ausreichend Bewegungsraum. Das Futter muss überwiegend biologisch und gentechnikfrei sein. Präventive Antibiotika-Gaben sind untersagt, Behandlungen nur im Krankheitsfall erlaubt. Die maximale Tierbesatzdichte liegt bei 230 Legehennen, 580 Masthühnern oder 14 Mastschweinen pro Hektar.

Bei den Zusatzstoffen erlaubt das EU-Bio-Siegel 53 von insgesamt 316 in der EU zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffen – deutlich mehr als bei strengeren Verbandssiegeln.

Die Schweizer Stiftung Praktischer Umweltschutz (PUSCH) bewertete das EU-Bio-Label in Vergleichsstudien 2010 und 2015 als „bedingt empfehlenswert“ [Quelle: PUSCH, 2015]. Kritisiert wurden die im Vergleich zu Schweizer Labels niedrigeren Nachhaltigkeitsstandards. Dennoch bietet das EU-Bio-Siegel eine solide Grundlage und stellt sicher, dass überall in Europa einheitliche Mindestanforderungen gelten.

Das deutsche Bio-Siegel: Bekannt und gleichwertig zum EU-Logo

Das sechseckige deutsche Bio-Siegel mit dem grünen Schriftzug „Bio“ ist vielen Verbrauchern vertrauter als das jüngere EU-Logo. Es wurde bereits vor der EU-weiten Regelung eingeführt und darf seit 2012 zusätzlich zum verpflichtenden EU-Bio-Siegel freiwillig verwendet werden. Beide Siegel unterliegen exakt denselben Kriterien der EG-Öko-Verordnung.

Die identischen Standards bedeuten: Zwischen Produkten mit deutschem Bio-Siegel und solchen mit ausschließlich EU-Bio-Logo besteht kein qualitativer Unterschied. Beide garantieren die gleichen Mindestanforderungen an ökologischen Anbau, Tierhaltung und Verarbeitung. Die parallele Verwendung beider Siegel erklärt sich rein aus historischen Gründen und der höheren Bekanntheit des deutschen Zeichens.

Das Inverkehrbringen von Produkten mit dem deutschen Bio-Zeichen ohne Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen stellt eine Straftat dar. Diese rechtliche Verankerung schützt Verbraucher vor Täuschung und sichert die Glaubwürdigkeit des Bio-Sektors. Regelmäßige Kontrollen durch zugelassene Öko-Kontrollstellen gewährleisten die Einhaltung der Standards.

Demeter: Das älteste und strengste Bio-Siegel

Demeter gilt als das älteste Bio-Siegel weltweit und wurde bereits 1924 gegründet. Das Markenzeichen steht für biodynamische Landwirtschaft nach den anthroposophischen Prinzipien Rudolf Steiners. Die Demeter-Richtlinien gehen in nahezu allen Bereichen deutlich über die Anforderungen der EG-Öko-Verordnung hinaus und stellen die höchsten Standards unter den deutschen Bio-Siegeln dar.

„Die biodynamische Wirtschaftsweise basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem Boden, Pflanzen, Tiere und Menschen in harmonischer Wechselwirkung stehen. Jeder Demeter-Hof versteht sich als lebendiger Organismus mit geschlossenen Kreisläufen.“

– Demeter e.V.

Strenge Standards bei Tierhaltung und Zusatzstoffen

Bei der Tierhaltung setzt Demeter besonders hohe Maßstäbe. Die erlaubte Tierbesatzdichte liegt deutlich unter EU-Bio-Standards. Schmerzhafte Eingriffe wie die Enthornung von Rindern oder die Kastration männlicher Ferkel ohne Betäubung sind verboten. Die Tiere erhalten ausschließlich biologisches Futter, vorzugsweise vom eigenen Hof. Präventive Medikamentengaben sind tabu – kranke Tiere werden erst mit Naturheilverfahren behandelt, Antibiotika nur im Notfall eingesetzt.

Eine Besonderheit der biodynamischen Landwirtschaft sind die speziellen Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien. Das bekannteste Beispiel: Mit Kuhmist gefüllte Kuhhörner werden im Boden vergraben und später als Dünger genutzt. Diese Praktiken sind wissenschaftlich umstritten, gehören aber zum festen Bestandteil der Demeter-Philosophie.

Demeter lässt nur 21 Zusatzstoffe zu – während EU-Bio beispielsweise Zitronensäure erlaubt, muss für Demeter-Produkte Zitronensaft verwendet werden.

Demeter-Produkte müssen zu 100 Prozent aus biologischer Erzeugung stammen, davon mindestens 90 Prozent aus Demeter-Rohstoffen. Das Demeter-Siegel kennzeichnet nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kosmetika und Reinigungsprodukte.

Bioland: Deutschlands größter Bio-Anbauverband

Bioland ist mit 5.443 Biobauern und 922 Lebensmittelherstellern der bedeutendste ökologische Anbauverband in Deutschland. Die Organisation vertritt einen pragmatischen Ansatz zur organisch-biologischen Landwirtschaft und vereint Bauern, Gärtner, Winzer und Imker unter gemeinsamen Qualitätsstandards. Das Bioland-Siegel garantiert Standards, die deutlich über die EU-Bio-Anforderungen hinausgehen.

Der Kern der Bioland-Philosophie liegt im nachhaltigen Ackerbau ohne chemisch-synthetische Pestizide. Die langfristige Bodenfruchtbarkeit steht im Mittelpunkt aller Maßnahmen. Durch vielfältige Fruchtfolgen, den Anbau von Leguminosen und schonende Bodenbearbeitung werden natürliche Kreisläufe gefördert. Gentechnik ist in allen Produktionsstufen strikt verboten.

Die Tierhaltungs-Richtlinien von Bioland sind strenger als beim EU-Bio-Siegel. Die maximal erlaubte Tierbesatzdichte liegt niedriger, um artgerechte Haltung zu gewährleisten. Konventionelle Futtermittel dürfen höchstens in sehr begrenztem Rahmen zugefüttert werden, während die EU-Verordnung größere Anteile erlaubt.

Bei den Zusatzstoffen beschränkt sich Bioland auf etwa 22 zugelassene Substanzen – weniger als die Hälfte der 53 bei EU-Bio erlaubten Zusatzstoffe. Eine Besonderheit von Bioland ist die Gesamtbetriebsumstellung: Wer Bioland-Mitglied werden will, muss den kompletten Betrieb auf ökologischen Landbau umstellen.

Das Bild zeigt einen stilisierten Bauernhof mit einem hellen Scheunengebäude. Kühe und Ziegen grasen auf der Wiese. Im Hintergrund sind Bäume und ein sanfter Sonnenuntergang zu sehen.

Naturland: Bio mit sozialer Verantwortung

Naturland verbindet ökologische Landwirtschaft mit sozialen Standards und internationaler Ausrichtung. Als einer der drei größten Bio-Anbauverbände in Deutschland setzt Naturland auf ganzheitliche Nachhaltigkeit, die weit über Umweltaspekte hinausgeht. Das Besondere: Mit „Naturland fair“ existiert ein Siegel, das Bio-Qualität mit fairen Handelsbedingungen vereint.

Die Naturland-Richtlinien übertreffen die EU-Bio-Standards in mehreren Bereichen. In der Verarbeitung erlaubt Naturland 23 Zusatzstoffe und liegt damit zwischen Demeter und Bioland. Wie bei Bioland müssen Naturland-Produkte zu 100 Prozent aus zertifizierten Bio-Zutaten bestehen.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Naturland ist die Zertifizierung für ökologische Waldnutzung. Als einziger Bio-Verband in Deutschland hat Naturland Richtlinien für nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt. Auch die Aquakultur und Textil-Herstellung können nach Naturland-Standards zertifiziert werden.

Das Siegel „Naturland fair“ kombiniert strenge ökologische Anforderungen mit sozialen Standards: faire Erzeugerpreise, langfristige Handelsbeziehungen und Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen.

Biokreis: Regional und fair aus Bayern

Der Biokreis wurde 1979 gegründet und legt seinen Schwerpunkt auf Regionalität und faire Partnerschaften. Das „regional & fair“-Siegel des Verbands verbindet ökologische Landwirtschaft mit kurzen Transportwegen und lokaler Wertschöpfung. Besonders in Bayern und angrenzenden Regionen ist der Biokreis stark vertreten.

Die Kernforderung des Biokreis-Siegels: Mindestens 80 Prozent der Rohstoffe für verarbeitete Produkte müssen aus einem Umkreis von 200 Kilometern stammen. Für den Handel gilt eine Quote von 60 Prozent, für die Gastronomie 50 Prozent. Diese Regionalität reduziert CO2-Emissionen durch Transport und stärkt die lokale Landwirtschaft.

Regionale Siegel: Das Bayerische Bio-Siegel

Neben den bundesweiten Verbandssiegeln existieren regionale Bio-Zertifizierungen wie das 2015 eingeführte Bayerische Bio-Siegel. Diese Siegel kombinieren Bio-Qualität mit garantierter regionaler Herkunft und erfüllen oft höhere Qualitätskriterien als EU-Bio.

Das Bayerische Bio-Siegel gibt es in zwei Varianten. Das blaue Siegel „Geprüfte Bio-Qualität aus Bayern“ vereint hohe Bio-Kriterien mit strenger Regionalität. Alle Rohstoffe müssen aus Bayern stammen und dort verarbeitet werden. Das grüne Siegel „Geprüfte Bio-Qualität“ enthält keinen verpflichtenden Herkunftsnachweis, erfüllt aber ebenfalls höhere Qualitätskriterien als die EU-Mindeststandards.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick: Vergleichstabelle

Die verschiedenen Bio-Siegel unterscheiden sich teilweise erheblich in ihren Anforderungen. Die folgende Übersicht verdeutlicht die Hauptunterschiede:

Kriterium EU-Bio / DE-Bio Demeter Bioland / Naturland
Zusatzstoffe 53 zugelassen 21 zugelassen 22-23 zugelassen
Bio-Anteil Mind. 95% 100% (90% Demeter) 100%
Tierbesatzdichte 230 Legehennen/ha Deutlich niedriger Deutlich niedriger
Futtermittel Teilw. konventionell 100% Bio, vorzugsw. hofeigen Überwiegend hofeigen
Gesamtbetrieb Teilumstellung möglich Komplett Bio Komplett Bio
Regionalität Keine Vorgabe Keine Vorgabe Keine Vorgabe
Die Abstufung: Demeter stellt die strengsten Anforderungen, gefolgt von Bioland und Naturland. Das EU-Bio-Siegel bildet die gesetzliche Mindestbasis.

Welches Bio-Siegel ist das beste? Kaufempfehlungen für Verbraucher

Die Frage nach dem besten Bio-Siegel lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Wahl von individuellen Prioritäten abhängt. Wer höchste ökologische Standards sucht, greift zu Demeter-Produkten. Für ein ausgewogenes Verhältnis von Qualität, Preis und Verfügbarkeit sind Bioland- und Naturland-Produkte empfehlenswert.

Praktische Kaufempfehlungen

Wer Wert auf Regionalität legt, sollte zu Biokreis-Produkten oder dem Bayerischen Bio-Siegel greifen. Diese garantieren nicht nur Bio-Qualität, sondern auch kurze Transportwege und Unterstützung lokaler Landwirtschaft. Das blaue bayerische Siegel „Geprüfte Bio-Qualität aus Bayern“ vereint höchste Standards mit kompletter Regionalität.

Eine pragmatische Strategie: Für Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Fleisch und Gemüse lohnt sich die Investition in Verbands-Bio. Diese Produktgruppen profitieren besonders von strengeren Tierhaltungs- und Anbaustandards. Bei verarbeiteten Produkten oder als Budget-Option kann EU-Bio eine akzeptable Wahl sein.

⚠️ Achtung vor Greenwashing: Der Begriff „Bio“ ist nur bei Lebensmitteln geschützt. Bei Kosmetik, Reinigungsmitteln oder Textilien garantiert die Bezeichnung ohne offizielles Siegel nichts.

Die Klimabilanz verschiedener Bio-Siegel

Bio-Landwirtschaft trägt grundsätzlich zum Klimaschutz bei, aber nicht alle Bio-Siegel sind klimatisch gleichwertig. Die CO2-Bilanz eines Produkts hängt von mehreren Faktoren ab: Produktionsweise, Tierhaltung, Transportwege und Verpackung.

Demeter, Bioland und Naturland punkten klimatisch durch geschlossene Kreisläufe. Der Verzicht auf synthetische Dünger reduziert energieintensive Herstellungsprozesse. Die Bindung von CO2 im Humus durch schonende Bodenbearbeitung macht Bio-Böden zu wichtigen Kohlenstoffspeichern. Studien zeigen, dass organisch bewirtschaftete Böden bis zu 30 Prozent mehr Kohlenstoff speichern als konventionell genutzte Flächen [Quelle: Thünen-Institut, 2023].

Eine Studie des Thünen-Instituts ermittelte, dass Bio-Landwirtschaft pro Kilogramm Produkt etwa 12 bis 15 Prozent weniger Treibhausgase verursacht als konventioneller Anbau.

Für klimabewusste Verbraucher lautet die Empfehlung: Verbands-Bio aus regionaler Erzeugung vereint die besten Eigenschaften. Die Kombination aus ökologischer Wirtschaftsweise, geschlossenen Kreisläufen und kurzen Transportwegen maximiert den Klimaschutzeffekt.

Praktische Einkaufstipps: So erkennst du echte Bio-Qualität

Der Gang durch den Supermarkt erfordert Aufmerksamkeit, um echte Bio-Qualität zu erkennen. Nicht jedes Produkt mit grüner Aufmachung und „Bio“ im Namen erfüllt hohe Standards. Diese praktischen Tipps helfen bei der Orientierung im Alltag:

✓ Checkliste für den Einkauf

Fazit: Bewusste Kaufentscheidungen für Umwelt und Gesundheit

Die Vielfalt der Bio-Siegel erscheint zunächst verwirrend, bietet aber Verbrauchern die Chance zu differenzierten Kaufentscheidungen. Das EU-Bio-Siegel stellt solide Mindeststandards sicher, während Anbauverbände wie Demeter, Bioland und Naturland deutlich darüber hinausgehen. Diese Abstufung ermöglicht es, je nach Budget und Prioritäten zwischen verschiedenen Bio-Qualitätsstufen zu wählen.

Für höchste ökologische Standards und Tierwohl empfiehlt sich Demeter, das strengste Siegel mit biodynamischer Philosophie. Bioland und Naturland bieten ein ausgezeichnetes Verhältnis von Qualität, Preis und Verfügbarkeit. Wer Regionalität schätzt, greift zu Biokreis oder dem Bayerischen Bio-Siegel. Selbst EU-Bio stellt gegenüber konventionellen Produkten einen deutlichen Fortschritt dar.

Die Investition in Bio-Qualität lohnt sich mehrfach. Ökologische Landwirtschaft schützt Böden, Wasser und Artenvielfalt, reduziert Pestizidbelastung und klimaschädliche Emissionen. Artgerechte Tierhaltung verbessert das Tierwohl erheblich. Verbraucher profitieren von Lebensmitteln ohne Pestizidrückstände und künstliche Zusatzstoffe.

Illustration einer friedlichen Weidelandschaft mit mehreren braun-weißen und schwarz-weißen Kühen, die liegend oder stehend im Gras entspannen. Im Vordergrund laufen sechs unterschiedlich gefärbte Hühner über eine blühende Wiese. Ein großer Baum spendet Schatten, im Hintergrund sind Hügel, Zäune und eine Baumreihe zu sehen.

Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in der Balance zwischen Ertrag, Umweltschutz und Tierwohl. Bio-Siegel weisen den Weg dorthin. Mit jedem zertifizierten Bio-Produkt entscheiden Verbraucher sich für eine lebenswerte Zukunft. Die Kenntnis der verschiedenen Siegel befähigt zu informierten Kaufentscheidungen, die tatsächlich etwas bewegen.

FAQ

Was bedeutet das EU-Bio-Siegel genau?

Das EU-Bio-Siegel kennzeichnet Produkte, die nach der europäischen EG-Öko-Verordnung produziert wurden. Es garantiert, dass mindestens 95 Prozent der Zutaten aus ökologischem Landbau stammen, auf chemisch-synthetische Pestizide und Gentechnik verzichtet wurde und die Tierhaltung artgerecht erfolgt. Das Siegel ist seit 2012 auf allen verpackten Bio-Lebensmitteln in der EU verpflichtend.

Gibt es Qualitätsunterschiede zwischen deutschem und EU-Bio-Siegel?

Nein, beide Siegel unterliegen exakt den gleichen Kriterien der EG-Öko-Verordnung. Das deutsche sechseckige Bio-Siegel existierte bereits vor dem EU-Logo und darf seit 2012 zusätzlich verwendet werden. Die parallele Nutzung erklärt sich aus der höheren Bekanntheit des deutschen Siegels, qualitativ besteht kein Unterschied.

Welches Bio-Siegel ist am strengsten?

Demeter gilt als das strengste Bio-Siegel in Deutschland. Es fordert biodynamische Landwirtschaft, lässt nur 21 Zusatzstoffe zu (EU-Bio: 53), verlangt niedrigere Tierbesatzdichten und setzt auf geschlossene Betriebskreisläufe. Bioland und Naturland folgen mit ebenfalls deutlich höheren Standards als EU-Bio auf dem zweiten Platz.

Sind Bio-Produkte aus dem Discounter weniger hochwertig?

Discounter-Bio erfüllt die gleichen gesetzlichen Mindestanforderungen wie alle EU-Bio-Produkte und wird genauso kontrolliert. Allerdings tragen diese Produkte meist nur das EU-Bio-Siegel und stammen selten von Verbandsbetrieben. Sie erfüllen Mindeststandards, während Fachhandel-Bio oft Verbands-Qualität bietet.

Muss ich für höchste Bio-Qualität immer tiefer in die Tasche greifen?

Verbands-Bio kostet in der Regel mehr als EU-Bio, da die Produktion aufwändiger ist. Niedrigere Erträge, strengere Tierhaltung und höhere Kontrollkosten schlagen sich im Preis nieder. Allerdings lohnt sich die Investition vor allem bei Fleisch, Milchprodukten und Eiern, wo die Qualitätsunterschiede am deutlichsten sind.

Was bedeutet die Codenummer auf Bio-Produkten?

Jedes Bio-Produkt trägt eine Codenummer wie DE-ÖKO-039. Diese identifiziert die zuständige Kontrollstelle, die den Betrieb zertifiziert hat. „DE“ steht für Deutschland, „ÖKO“ für ökologische Erzeugung, die Nummer bezeichnet die spezifische Kontrollstelle. Diese Kennzeichnung ermöglicht Transparenz und Rückverfolgbarkeit.

Ist Bio automatisch regional?

Nein, das EU-Bio-Siegel macht keine Aussagen über Herkunft oder Transportwege. Bio-Produkte können aus allen EU-Ländern oder sogar aus Nicht-EU-Staaten stammen. Nur spezielle Regionalsiegel wie Biokreis „regional & fair“ oder das Bayerische Bio-Siegel garantieren tatsächlich lokale Erzeugung und kurze Wege.

Wie erkenne ich Greenwashing bei Bio-Produkten?

Der Begriff „Bio“ ist nur bei Lebensmitteln geschützt. Bei Kosmetik, Reinigungsmitteln oder Textilien kann „Bio“ ohne Zertifizierung verwendet werden. Achte auf offizielle Siegel: Bei Kosmetik BDIH oder Ecocert, bei Textilien GOTS, bei Reinigungsmitteln den Blauen Engel. Fehlen diese, handelt es sich wahrscheinlich um Greenwashing.

Sind alle Zutaten in Bio-Produkten biologisch?

Bei EU-Bio müssen mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus Bio-Anbau stammen. Bis zu 5 Prozent konventionelle Zutaten sind erlaubt, wenn diese nicht in Bio-Qualität verfügbar sind. Bioland und Naturland fordern 100 Prozent Bio-Zutaten, Demeter verlangt sogar 100 Prozent Bio mit mindestens 90 Prozent Demeter-Rohstoffen.

Lohnt sich Bio wirklich für die Umwelt?

Ja, Bio-Landwirtschaft schont nachweislich die Umwelt. Sie verzichtet auf chemisch-synthetische Pestizide, fördert die Bodenfruchtbarkeit, schützt Artenvielfalt und verursacht etwa 12 bis 15 Prozent weniger Treibhausgase als konventioneller Anbau. Am klimafreundlichsten ist Verbands-Bio aus regionaler Erzeugung, da hier geschlossene Kreisläufe und kurze Transportwege kombiniert werden.

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